Basierend auf einer Idee von Nikolai Liskutin. Illustration von Florian Taker. Entstanden im Schulunterricht, später in einen Kurzfilm adaptiert.
Vor nicht allzu langer Zeit, da lebte ein Mann mit seiner Familie, genauer gesagt seiner Frau und seiner Tochter, in einem kleinen Haus am Rande des großen Fichtenwaldes. Seinen kargen Lebensunterhalt verdiente er mit dem Halten von Tieren. Er hatte eine kleine Farm, doch seine große Leidenschaft waren die Bienen. Jeden Morgen bestritt der Imker den kleinen Pfad in den dunklen Wald zu seinen Bienenstöcken, um den süßen Honig zu ernten. Ertragreich war es nicht, das Geld aus dem Verkauf der Produkte reichte gerade, um die kleine Familie über Wasser zu halten, aber sie waren trotzdem glücklich.
So trug es sich also zu, dass eines schönen Morgens sich der Imker auf seinen täglichen Weg in den Wald machte. In Gedanken versunken näherte er sich dem Bienenstock, als er sich plötzlich an einer der Waben schnitt. Rote Tropfen flossen in die aus Wachs geformten sechseckigen Hohlräume; Blut. Erschrocken und traurig blickte der Mann auf. Die ganze Arbeit umsonst, dachte er sich. All die vielen Pollen und der tolle Nektar, ertränkt im dickflüssigen Lebenssaft. Gebrochen ging der Mann nach Hause, und doch wollte er am nächsten Morgen wieder nach seinen Bienen sehen. Als er bei dem Bienenstock angekommen war, traute er seinen Augen nicht. Die kleinen Tierchen summten wie wild um ihr Gehäuse herum, arbeiteten eifrig, eifriger als je zuvor! Wunderschöner wie Gold glänzender, Honig quillte hervor. Wie konnte das nur sein, dachte sich der Mann, aber schnell zählte er eins und eins zusammen und begriff, dass das Ganze nur mit dem seltsamen Vorfall des Vortages zusammenhängen konnte. Und so rannte er schnell zu seinem Häuschen zurück, packte sich eines seiner Hühner und ein Messer und ließ das Blut des Tieres in die Waben laufen. Entzückt stellte er am nächsten Tage fest, dass die Bienen noch emsiger arbeiteten. Das konnte nicht wahr sein, und doch war es so, und für den Mann brach eine goldene Zeit an.
Die Erlöse stiegen ins Unermessliche, sein Honig war als der beste im Dorf bekannt, aber über seine Praktiken kursierten die verschiedensten Gerüchte. Die Leute liebten seinen Honig und doch warfen sie ihm misstrauische Blicke zu, wann immer sie ihn sahen. Die Geschichten, die man sich hinter seinem Rücken erzählte, häuften sich, seine ursprüngliche Farm existierte nicht mehr – alle Tiere waren dem Honig zum Opfer gefallen – und seine Frau, die sich mit seinen Methoden nicht mehr anfreunden konnte, hatte ihn verlassen. Einzig allein sein Töchterchen war ihm geblieben, stets treu an der Seite ihres Vaters, der bei seinem wachsenden Reichtum zunehmend vereinsamte. Aber von all dem bekam der Mann nichts mit in seinem Größenwahn, es zählten nur mehr die Bienen und ihr kostbares Produkt. Jene Bienen, die unermüdlich immer mehr und mit jedem weiteren Opfer besser produzierten, neben ihnen der Imker, der nur darauf bedacht war, den Ertrag stetig zu vermehren. Aber bald schon waren keine Tiere mehr da, die eigenen tot und die Fleischer und Bauern wollten ihm keine mehr geben. Ach was sind denn schon die blöden Tiere, deren dreckiges Blut taugt doch sowieso nichts, dachte sich der Mann, reines, junges Blut bräuchte es; und umgehend musste er an seine Tochter denken, die immer noch brav zu ihm hielt. „Komm, ich zeig dir was“, lockte er das Kind den Pfad in den Wald hinein. Und dort packte er es und stieß ihr kurzerhand ein Messer in die Brust. Das wird sie freuen, tanzte der Mann euphorisch um den Bienenstock herum, als er das Blut aus dem kleinen Körper in die Waben rinnen ließ, und die Bienen summten laut.
Da ging er also am nächsten Tag in den Wald, um den köstlichsten Honig aller Zeiten zu ernten, einen Honig, wie ihn noch keiner schmecken hat dürfen. Doch die Waben waren vertrocknet. Jedes der einst so prächtigen Gewölbe war nun fahl und brüchig und in sich zusammengefallen. Alle ehemals so tüchtigen Bienen lagen tot im Gras. Aus den schönen Öffnungen floss kein süßer Nektar mehr, vereinzelt nur noch rote Tropfen…